Warum das Thema jetzt in die Unternehmenspraxis gehört
Der Klimawandel beeinflusst bereits heute spürbar die Arbeitswelt. Gesundheitsberichte aus den Jahren 2024 und 2025 zeigen: Rund 60 Prozent der Beschäftigten fühlten sich in den letzten Jahren am Arbeitsplatz vom Klimawandel betroffen, allen voran durch extreme Hitze (DAK, 2024; TK, 2025). Sie wird häufig als Ursache für Leistungseinbußen und Konzentrationsprobleme genannt. Laut DAK-Daten (2024) empfinden 22,9 Prozent der Beschäftigten Hitzewellen als stark belastend, weitere 40 Prozent als mäßig (DAK, 2024). Über die Hälfte berichtet an solchen Tagen von sinkender Produktivität, rund 42 Prozent von Konzentrationsschwierigkeiten (DAK, 2024). Abbildung 1 zeigt, dass sich die Hitzebelastung nicht gleichmäßig verteilt, gleichwohl Beschäftigte aller Branchen von Hitzebelastung betroffen sind. In dienstleistungs- und personenbezogenen Bereichen wie Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht meldet ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Beschäftigten eine starke oder mäßige Belastung. Auch Baugewerbe, Verkehr und Lagerei und verarbeitendes Gewerbe liegen deutlich über dem Durchschnitt (DAK, 2024). Für die Praxis heißt dies, dass dort, wo körperliche Arbeit, unzureichende Kühlung, viele Kontakte oder nicht klimatisierte Räume zusammentreffen, das Risiko spürbar steigt.

Abbildung 1: Anteil der Beschäftigten nach dem Umfang der Belastung durch Hitze während der Arbeit nach verschiedenen Wirtschaftszweigen. (Quelle: DAK-Gesundheit (2024))
In besonders heißen Wochen steigen die Krankschreibungen aufgrund von Kreislauferkrankungen deutlich an. 2018 etwa verdoppelte sich die Zahl im Vergleich zu 2023 und erreichte mit 10 neuen Fällen je 10.000 Versicherte einen Spitzenwert. Auch Diagnosen wie “Schäden durch Hitze und Sonnenlicht” nehmen in heißen Sommerphasen messbar zu (DAK, 2024). Diese konkreten Befunde zeigen, dass die gesundheitlichen Folgen von Hitze nicht nur theoretische Projektionen sind, sondern bereits heute im Alltag der Beschäftigten sichtbar werden. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass Hitzebelastung bereits heute spürbare Auswirkungen auf Gesundheit, Sicherheit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hat. Angesichts zunehmender Hitzeperioden ist zu erwarten, dass die Zahl hitzebedingter Krankschreibungen ohne gezielte Gegenmaßnahmen weiter steigt und Kommunen wie Unternehmen gleichermaßen vor große Herausforderungen stellt (DAK, 2024).
Während diese Daten die unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze auf Beschäftigte verdeutlichen, zeigen gesamtwirtschaftliche Schadenssummen, dass Klimarisiken weit darüber hinausgehen: Sie betreffen nicht nur die Gesundheit, sondern auch Infrastruktur, Ökosysteme und ganze Wirtschaftszweige. So liegt die Gesamtschadenshöhe durch Dürre- und Hitzeextreme 2018 und 2019 bei schätzungsweise 32 bis 37 Milliarden Euro (Prognos, 2022). Gleichzeitig verursachen auch andere Klimarisiken wie Starkregen, Überflutungen sowie Sturm erhebliche wirtschaftliche Schäden. Seit 2018 summieren sich in Deutschland erfasste Schäden großer Extremereignisse auf mindestens 80 Milliarden Euro, davon mehr als 40 Milliarden Euro durch die Flut in 2021 (Prognos, 2023). Aber auch Schäden durch Hagel und Sturm liegen im Milliardenbereich. Es wird davon ausgegangen, dass in Deutschland seit dem Jahr 2000 im Schnitt jährlich mindestens 6,6 Milliarden Euro an Schäden durch den Klimawandel entstanden sind (Prognos, 2022). Neben direkt messbaren Schäden rücken zunehmend auch indirekte und schwer zu beziffernde Folgen in den Blick, etwa Belastungen für Gesundheit, Ökosysteme und Lieferketten sowie psychische Auswirkungen nach Extremereignissen oder der Verlust des Landschaftsbilds, die in klassischen Schadenssummen häufig unterschätzt werden (BMWE, 2023b; Prognos, 2022; Prognos, 2023; Prognos, 2025).
Unternehmen, die auf zunehmende Hitzebelastungen und andere Extremwetterereignisse nicht angemessen reagieren, sehen sich mit höheren Fehlzeiten, gesteigertem Unfallrisiko und sinkender Produktivität konfrontiert. Zusätzlich entstehen Qualitätskosten durch Fehler und Nacharbeiten, das Risiko für Lieferverzögerungen und Projektüberschreitungen nimmt zu und Versicherungsprämien können steigen (DAK, 2024; TK, 2025; BMWE, 2023b). Fehlen Schutzmaßnahmen, verschlechtert sich die Arbeitgeber:innenwahrnehmung, was Fluktuation, höheren Rekrutierungsaufwand und steigende Einarbeitungskosten zur Folge hat (TK, 2025; KLUG, 2025).
Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene deuten Modellrechnungen darauf hin, dass mangelnde Anpassung die Wirtschaftsleistung dämpft und damit Absatzchancen, Investitionsspielräume und Standortattraktivität mindert (Flaute et al. 2022). Die genaue Höhe klimawandelbedingter Folgekosten bis 2050 hängt von ökonomisch bedeutsamen Wirkungskanälen sowie von Umfang und Tempo der Maßnahmen zu Klimaschutz und Klimaanpassung ab. Klar ist jedoch, dass in den kommenden Jahren mit hohen klimabedingten Kosten zu rechnen ist. Abbildung 2 zeigt, dass die volkswirtschaftlichen Folgekosten des Klimawandels bis 2050 kontinuierlich ansteigen, unabhängig davon, ob dieser schwach (RCP 2.6 W/m2) oder stark (RCP 8.5 W/m2) verläuft (BMWE, 2023a). Die sogenannten Repräsentativen Konzentrationspfade (RCP) beschreiben unterschiedliche Szenarien für die Entwicklung von Treibhausgasemissionen und deren Einfluss auf die Strahlungsbilanz der Erde, von einem sehr ambitionierten Klimaschutzpfad (RCP 2.6 W/m2) bis hin zu einem Szenario mit weiterhin stark steigenden Emissionen (RCP 8.5 W/m2) (DWD, 2025). Je stärker die Erwärmung, desto steiler verlaufen die Kurven, weil Produktivitätsverluste, Infrastruktur- und Lieferkettenstörungen schneller zunehmen. Der Befund ist eindeutig: Der Handlungsdruck wächst, frühe Anpassung dämpft die Kostenpfade und reduziert teure Folgestörungen.

Abbildung 2: Volkswirtschaftliche Folgekosten durch den Klimawandel summiert bis 2050. (Quelle: BMWE (2023a))
Was konsequente Anpassung bewirkt
Vorausschauend handelnde Unternehmen stabilisieren Betriebsabläufe in Hitzephasen sowie bei Starkregen, Überflutungen und Sturmlagen, verringern Fehlerquoten und beschleunigen Wiederanlaufzeiten nach Störungen. Beschäftigte erleben spürbare Entlastung, was Zufriedenheit, Bindung und Arbeitgeber:innenattraktivität stärkt. Kund:innen profitieren von verlässlicheren Lieferungen und konstanter Qualität, während das Risiko kostenintensiver Unterbrechungen sinkt. Auf Markt- und Wettbewerbsniveau zahlen sich robuste Servicelevel durch bessere Ratings und eine stärkere Position gegenüber weniger gut vorbereiteten Anbietern aus. Makroökonomische Analysen zeigen, dass Anpassungsmaßnahmen einen Teil der erwartbaren Schäden mindern und so Absatzchancen, Investitionsspielräume und Standortstabilität unterstützen (vgl. BAuA, KLUG, 2025; BMWE, 2023b; Flaute et al. 2022).
Wer frühzeitig handelt, reduziert Risiken und schafft spürbare Vorteile für Belegschaft und Betrieb. Diese Effekte zeigen sich auf Mitarbeitenden-, Prozess- und Marktebene. Konkret bedeutet das:
- Durch vorbeugende Maßnahmen lassen sich hitzebedingte Ausfälle, Unfälle und Konzentrationsprobleme vermeiden.
- Beschäftigte empfinden Schutzmaßnahmen als Wertschätzung. Das wirkt sich positiv auf das Arbeitsklima und die Bindung ans Unternehmen aus.
- Der verantwortungsvolle Umgang mit Klimafolgen wird zunehmend zu einem Faktor für Arbeitgeberattraktivität.
- Kund:innen, Investor:innen und andere Stakeholder gewinnen, denn sie achten verstärkt auf klimafreundliches Handeln. Unternehmen mit Klimastrategie verschaffen sich so auch außenwirtschaftlich Vorteile.
- Wer heute handelt, ist bei der nächsten Hitzewelle sowie bei Starkregen, Überflutungen und Sturmlagen besser vorbereitet. Klare Abläufe, geschulte Teams, etablierte Schutzmaßnahmen, gesicherte Energieversorgung oder Zugänge zu Gebäuden und Produktionsbereichen verkürzen Wiederanlaufzeiten, sichern Liefertermine und senken Vertragsrisiken.
(vgl. DAK, 2024; BAuA; KLUG, 2025; BMWE, 2023b, BMWE, 2024; Prognos 2025).
Maßnahmen gezielt entwickeln und umsetzen
Der erste Schritt besteht darin, die spezifischen klimabedingten Risiken im eigenen Betrieb zu identifizieren: Wo bestehen besondere Belastungen, welche Beschäftigtengruppen sind betroffen, wie häufig treten Hitzeperioden und andere Extremwetterereignisse auf und welche Flächen sind von Starkregen oder Überflutung besonders gefährdet? Sinnvoll ist eine systematische Erfassung der Risiken durch Extremwetterrisiken und schleichender Veränderungen wie steigender Durchschnittstemperaturen, um Investitionen in Anpassung zielgerichtet zu priorisieren (BMWK, 2023b; Prognos, 2023).
Auf dieser Basis lassen sich je nach Klimarisiko Maßnahmen entwickeln, die drei zentrale Handlungsfelder abdecken:
- Technische Maßnahmen: bauliche Verschattung, Klimatisierung, Lüftungssysteme, Wasserspender oder Begrünung bei Hitze. Für Starkregen und Überflutungen helfen Rückstauklappen, Abschottungen, mobile Barrieren und Notentwässerung. Bei Sturmlagen sind die Sicherung von Aufbauten, Fassadenelementen und Freiflächen sowie Schutz der Energie- und IT-Infrastruktur entscheidend. (BAuA; BMWE, 2023b)
- Organisatorische Maßnahmen: Anpassung von Arbeitszeiten, zusätzliche Pausenregelungen, klare Abläufe bei Hitzeereignissen. Ergänzend sind Alarm- und Räumkonzepte für Überflutungsszenarien, definierte Meldeketten sowie alternative Anliefer- und Versandwege sinnvoll, um Lieferverzögerungen nach Starkregen oder Sturm zu begrenzen. (BAuA; BMWE, 2023b)
- Personenbezogene Maßnahmen: umfassen regelmäßige Schulungen und klare Informationen zum sicheren Verhalten bei Hitze, Starkregen und Sturm. Die Unterweisungen erläutern sichere Wege auf dem Betriebsgelände, das Sichern von Arbeitsplätzen und Materialien sowie Erste-Hilfe-Schritte z. B. bei einem Hitzeschlag oder Unfällen durch herabfallende Gegenstände. Auch Sonnenschutzmittel, geeignete Kleidung und eine gesicherte Trinkversorgung mindern die personenbezogenen Belastungen erheblich. (BAuA; DAK, 2024; TK, 2025)
Diese Maßnahmen sollten strukturiert, vorausschauend und unter Beteiligung der Beschäftigten entwickelt werden. Hilfreich sind betriebliche Hitzeschutzpläne, in denen Zuständigkeiten, Kommunikationswege und konkrete Maßnahmen klar geregelt sind (BAuA). Ergänzend sorgen Notfallpläne für Starkregen, Überflutung oder Sturm für klare Abläufe und sollten regelmäßig erprobt und mit externen Partner:innen abgestimmt werden. Und das lohnt sich! Nicht nur für Gesundheit und Abläufe, sondern auch finanziell (BMWE, 2023a).
Abbildung 3 macht sichtbar: Wer nicht anpasst, zahlt mit der Zeit immer mehr für Schäden und Unterbrechungen (rote Linie) (IÖW, 2021). Wer anpasst, investiert zwar am Anfang (graue Linie), vermeidet dafür später viele dieser Schäden. Die blaue Linie zeigt die verbleibenden Schäden trotz Anpassung (Residualschäden). Aus grauer und blauer Linie zusammen entstehen die Gesamtkosten mit Anpassung (grüne Linie). Diese liegen trotzdem unter der roten Linie und zeigen deutlich, dass frühes Handeln die Kostenkurve senkt und den Betrieb schützt.

Abbildung 3: Kosten und Nutzen der Anpassung an den Klimawandel. (Quelle: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (2021))
Unterstützung durch ADAPT2CARE
Das Projekt ADAPT2CARE unterstützt Unternehmen dabei, die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels systematisch anzugehen. Ziel ist die Entwicklung digitaler Lösungen, die Betriebe bei der Einschätzung von Risiken, der Planung geeigneter Maßnahmen und der Umsetzung von Klimaanpassungsstrategien unterstützen. Durch fachlichen Austausch und praxisnahe Ansätze gestalten teilnehmende Unternehmen aktiv eine klimaresiliente Arbeitswelt mit.
Bei weiteren Fragen zur Entwicklung der ADAPT2CARE Softwarelösung schreiben Sie gerne an: info@adapt2care.de.
Quellen:
- baua: Hohe Raumtemperaturen in Arbeitsstätten.
- BMWE (2023a): Kosten durch Klimawandelfolgen in Deutschland.
- BMWE (2023b): Klimafolgekosten: Mehr als direkte Schäden.
- BMWE (2024): Kosten des Klimawandels – Neuste Erkenntnisse aus der Forschung.
- DAK-Gesundheit (2024): DAK-Gesundheitsreport 2024: Gesundheitsrisiko Hitze – Arbeitswelt im Klimawandel.
- DWD (2025): RCP-Szenarien – Die neuen RCP-Szenarien für den 5. IPCC Sachstandsbericht.
- Flaute, M., Reuschel, S., & Stöver, B. (2022): Volkswirtschaftliche Folgekosten durch Klimawandel: Szenarioanalyse bis 2050.
- Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (2021): Kostendimensionen von Klimaschäden – eine systematische Kategorisierung.
- KLUG (2025): BKK-Leitfaden betriebliche Gesundheitsförderung und Planetare Gesundheit.
- Prognos (2022): Extremwetterschäden in Deutschland seit 2018.
- Prognos (2023): Bezifferung von Klimafolgekosten in Deutschland.
- Prognos (2025): Gesamtwirkung von Klimawandel, Klimaschutz und Klimaanpassung auf die deutsche Wirtschaft.
- Techniker Krankenkasse (2025): Gesundheitsreport 2025 – Macht das Wetter krank? Der Einfluss des Klimawandels auf die Arbeitswelt.


