Stürme gehören zu den Extremwetterereignissen, die Unternehmen unmittelbar treffen können, etwa durch Schäden an Gebäuden, Verkehrswegen, Stromversorgung oder Lagerflächen, aber auch durch direkte Gefahren für Beschäftigte im Freien. Der Deutsche Wetterdienst spricht ab Windstärke 9 auf der Beaufort-Skala (etwa 75 km/h) von Sturm, ab Stärke 10 von schwerem Sturm und ab Stärke 11 von orkanartigem Sturm. Bereits bei solchen Geschwindigkeiten können Äste brechen, Dachziegel abgedeckt, Bäume entwurzelt oder größere Gebäudeschäden verursacht werden (DWD o. D. a / o. D. b).

Abbildung 1: Ab wann wird Wind gefährlich? Eine Einordnung nach der Beaufort-Skala (WetterOnline, o. D.)

Abbildung 1: Ab wann wird Wind gefährlich? Eine Einordnung nach der Beaufort-Skala (WetterOnline, o. D.)

Anders als bei Hitze ist der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Sturm weniger eindeutig: Der Deutsche Wetterdienst weist darauf hin, dass unsicher bleibt, wie sich Häufigkeit und Intensität von Stürmen in Deutschland künftig entwickeln (DWD / Extremwetterkongress 2025). Wie groß die Auswirkungen einzelner Ereignisse trotzdem sein können, zeigen zwei Beispiele:

Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung entfiel ein Drittel der europäischen Schäden durch Orkantief Kyrill (2007) allein auf Nordrhein-Westfalen (Kropp et al. 2009).

Auch der August 2026 hat das erneut vor Augen geführt: Am 19. August sorgten schwere Gewitter in einem breiten Korridor von Brandenburg über den Westerwald, Hessen bis nach Thüringen für mehrere Tornados. In Fürstenwalde/Spree (Brandenburg) erreichte ein Tornado nach erster Einschätzung mindestens Stärke IF1 mit Windgeschwindigkeiten um 150 km/h. Allein in Hessen wurden für diesen Abend sechs Tornados bestätigt, im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz richteten zwei weitere Tornados in mehreren Ortschaften erhebliche Schäden an. Im thüringischen Ohrdruf verursachte ein Tornado mit geschätzten 200 bis 300 km/h schwere Wald- und Gebäudeschäden. Nur wenige Tage später, am 28. August, sorgte ein Gewitterkomplex über Baden-Württemberg mit bis zu fünf Zentimeter großen Hagelkörnern und orkanartigen Böen (in Friedrichshafen wurde eine Spitzenböe von 114 km/h gemessen) für weitere erhebliche Schäden; allein in Singen-Bohlingen waren nach ersten Zahlen rund 190 Häuser betroffen (DWD 2026). Das zeigt: Auch wenn einzelne Sturmereignisse selten vorhersehbar sind, kann ihre Wucht binnen weniger Tage an ganz unterschiedlichen Standorten erhebliche Schäden verursachen.

Wie Sturm Beschäftigte, Infrastruktur und Betriebsabläufe trifft

Sturmereignisse können Gebäude, technische Anlagen, Fahrzeuge und Lagerflächen beschädigen. Fällt zusätzlich die Stromversorgung oder Verkehrsinfrastruktur aus, erreichen Beschäftigte ihren Arbeitsplatz möglicherweise nicht sicher, während Produktionsprozesse oder Lieferungen unterbrochen werden (BMWK 2023).

Besonders gefährdet sind Beschäftigte bei Tätigkeiten im Freien, etwa auf Baustellen, in der Logistik, der Land- und Forstwirtschaft oder bei technischen und medizinischen Diensten. Risiken entstehen nicht nur durch hohe Windgeschwindigkeiten selbst, sondern auch durch herabfallende Äste, umstürzende Bäume, lose Bauteile oder beschädigte Stromleitungen (Goldman et al. 2014). Unsichere Arbeitswege und Zeitdruck bei Sicherungs- oder Reparaturarbeiten können zudem psychisch belasten, besonders für Beschäftigte, die während oder direkt nach einem Sturm einsatzfähig bleiben müssen, etwa in Pflege, Rettungsdiensten oder Energieversorgung (Heinz & Meyer-Lindenberg 2023; Gebhardt et al. 2023; Durstmüller et al. 2026).

Neben direkten Sachschäden verursachen Betriebsunterbrechungen, Reparaturen, Ersatzbeschaffungen und verzögerte Lieferketten oft erhebliche Folgekosten (BMWK 2023; Prognos AG 2022). Versicherungsdaten zeigen, dass Sturm und Hagel regelmäßig Schäden in Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft verursachen (GDV o. D.).

Abbildung 2: Direkte und indirekte Auswirkungen von Sturmereignissen (mit KI-Unterstützung visualisiert, Datengrundlage: BMWK 2023; Durstmüller et al. 2026; GDV o. D.; Gebhardt et al. 2023; Goldman et al. 2014; Heinz & Meyer-Lindenberg 2023; Prognos AG 2022. Inhalte fachlich geprüft durch das ADAPT2CARE Projektteam)

Abbildung 2: Direkte und indirekte Auswirkungen von Sturmereignissen (mit KI-Unterstützung visualisiert, Datengrundlage: BMWK 2023; Durstmüller et al. 2026; GDV o. D.; Gebhardt et al. 2023; Goldman et al. 2014; Heinz & Meyer-Lindenberg 2023; Prognos AG 2022. Inhalte fachlich geprüft durch das ADAPT2CARE Projektteam)

So können Sie vorsorgen

Stürme lassen sich nicht verhindern, ihre Folgen aber deutlich begrenzen. Grundlage ist eine Gefährdungsbeurteilung, die auch Sturmrisiken berücksichtigt. Das STOP-Prinzip hilft, Schutzmaßnahmen in der richtigen Reihenfolge zu planen (Voss & Bühn 2023; BG BAU o. D.):

  • Substitution: Außentätigkeiten, Fahrten sowie Arbeiten auf Dächern, Gerüsten oder offenen Flächen bei Sturmwarnung verschieben oder in geschützte Bereiche verlegen. Auch Touren in Pflege, Logistik und Außendienst bei Bedarf anpassen.
  • Technische Maßnahmen: Gebäude, Dächer, Fassaden, Photovoltaikanlagen und Außenanlagen regelmäßig prüfen. Lose Gegenstände, Bauzäune, Container und Materiallager so sichern, dass sie bei Sturm nicht selbst zur Gefahr werden.
  • Organisatorische Maßnahmen: Zuständigkeiten, Warnketten und Notfallabläufe vorab festlegen: Wer unterbricht wann welche Arbeiten und wie werden Beschäftigte informiert? Aktuelle Warnungen bieten die DWD-WarnWetter-App und das Naturgefahrenportal (DWD o. D. c; DWD o. D. d).
  • Persönliche Maßnahmen: Beschäftigte zu Sturmrisiken und sicherem Verhalten schulen. Bei Sicherungs- oder Aufräumarbeiten ist geeignete Schutzausrüstung nötig (z.B. Schutzhelm, Sicherheitsschuhe oder Warnkleidung). Diese ersetzen aber keine technischen oder organisatorischen Maßnahmen.
Abbildung 3: Beispiele für Schutzmaßnahmen bei Sturmereignissen (mit KI-Unterstützung visualisiert, Datengrundlage: BG BAU o. D.; Cimolino 2020; Voss & Bühn 2023. Inhalte fachlich geprüft durch das ADAPT2CARE Projektteam).

Abbildung 3: Beispiele für Schutzmaßnahmen bei Sturmereignissen (mit KI-Unterstützung visualisiert, Datengrundlage: BG BAU o. D.; Cimolino 2020; Voss & Bühn 2023. Inhalte fachlich geprüft durch das ADAPT2CARE Projektteam).

Sturm kann mit Starkregen, Hagel oder Schnee einhergehen und zusätzlich Stromausfälle verursachen, wodurch oft komplexe Schadenslagen entstehen. Notfallplanungen sollten daher auch Folgewirkungen wie blockierte Zufahrten oder unterbrochene Lieferungen mitdenken (Cimolino 2020). Eine systematische Klimarisikoanalyse hilft, wesentliche Risiken frühzeitig zu erkennen und passende Anpassungsmaßnahmen abzuleiten (UBA 2022).

So unterstützt ADAPT2CARE Unternehmen

ADAPT2CARE entwickelt eine Web-Anwendung, mit der Unternehmen klimabedingte Gesundheitsrisiken auf Arbeitsplatzebene erkennen und passende Maßnahmen ableiten können, neben Sturm auch für Hitze, UV-Strahlung, Starkregen und Allergene. Ein niedrigschwelliger Quick-Check, vertiefende Analysen und praxisnahe Maßnahmenvorschläge nach dem STOP-Prinzip helfen dabei, gefährdete Tätigkeiten und Betriebsabläufe frühzeitig zu erkennen und Schutzmaßnahmen gezielt zu planen.

Fragen zu ADAPT2CARE?

Bei Interesse oder weiteren Fragen zur Entwicklung der ADAPT2CARE-Web-Anwendung schreiben Sie gerne an: info@adapt2care.de.

Verwendete Quellen: